Willkommen bei den Sch’tis

Dany Boon während
der Dreharbeiten zu
Willkommen bei den Sch’tis
im Juni 2007

Dany Boon, eigentlich
Daniel Hamidou (* 26. Juni 1966
in Armentières, Département
Nord, Frankreich) ist ein französischer
Komiker, Schauspieler und Regisseur.
2008: Willkommen bei den Sch’tis 
2008: Auf der anderen Seite des Bettes 
2009: Affären à la carte
2010: Nichts zu verzollen
2013: Der Nächste, bitte!
2013: Eyjafjallajökull
2014: Super-Hypochonder
Die Filmkomödie Willkommen bei den Sch’tis (Bienvenue chez les Ch’tis) aus dem Jahr 2008 ist mit über 20 Millionen Kinobesuchern der bislang erfolgreichste französische Film in Frankreich.[2] Die Attraktivität bestätigte sich auch in den DVD-Verkäufen und der Zuschauerresonanz bei der Fernsehausstrahlung. Es handelt sich um die zweite Regiearbeit des Komikers Dany Boon, der eine der beiden Hauptrollen spielt. Kad Merad gibt die andere Hauptfigur, einen Filialleiter der Post aus Südfrankreich, der strafweise in die nördliche Region Nord-Pas-de-Calais versetzt wird. Wie so manche Südfranzosen hat er zunächst Vorurteile über den Norden und dessen Bewohner. Boon, der von dort stammt, zielte ausdrücklich darauf ab, dem Bild von der Rückständigkeit der Region entgegenzutreten. Die titelgebenden „Ch'tis“ sind Sprecher des Ch'ti, eines Dialekts innerhalb der nordfranzösischen picardischen Sprache.
Die Kritik gestand dem Film Komik und Charme zu, sah aber einen wesentlichen Schwachpunkt des Unterhaltungsfilms im Drehbuch, teils auch im nicht realistischen Porträt der von Nöten geplagten Region. In Frankreich begleitete den Film eine Kontroverse, inwieweit er tatsächlich ein günstigeres Bild vom Norden schaffe. Zudem wurde festgestellt, dass
Kad Merad   (2009)
sich die Erfahrung von Auswanderung, Fremdsein und Integration, die der Protagonist erlebt, innerhalb des letztlich vertrauten Rahmens der Nation abspielt und sich die anfänglich behaupteten Gegensätze von selbst in Luft auflösen.
In Deutschland, dem besucherstärksten Land außerhalb Frankreichs, verzeichnete die Komödie 2,3 Millionen Besucher. Bei der deutschen Synchronisation wurde für die Sch’ti-Figuren eigens ein fiktiver Dialekt erfunden.

Philippe Abrams ist seit vielen Jahren Leiter einer Postfiliale in Salon-de-Provence im Hinterland von Marseille, wo er mit seiner Frau Julie und seinem Sohn lebt. Julie drängt darauf, in eine schönere Gegend zu ziehen, worauf sich Philippe um einen der begehrten Leitungsposten am Mittelmeer bemüht. Um seine Chancen zu erhöhen, gibt er sich als Behinderter aus. Der Betrug fliegt auf, und Philippe wird für zwei Jahre nach Bergues im äußersten Norden Frankreichs strafversetzt. Die Region Nord-Pas-de-Calais gilt bei den Südfranzosen als kalt, die Bewohner als etwas beschränkt, und das dort gesprochene Ch’ti ist schwer verständlich. Julies Onkel verstärkt dieses Bild mit düsteren Erinnerungen. Über das Versagen ihres Mannes erbost, bleibt Julie mit dem Sohn im Süden, und Philippe muss den Weg in den Norden allein antreten.


Zoé Félix im Jahre 2008
Bei Philippes nächtlicher Ankunft gibt es prompt einen Wolkenbruch. Sein neuer Unterstellter Antoine nimmt ihn bei sich auf, weil die Direktoren-Dienstwohnung über dem Postamt noch unmöbliert ist. Antoine leidet unter seiner dominanten Mutter, bei der er wohnt, weswegen ihn Annabelle, in die er verliebt ist, ablehnt. Philippe ist vom Städtchen und den Kollegen, ihrer Sprache Ch’ti und ihren Sitten befremdet und fristet eine trostlose Woche, bis er am Wochenende zu seiner Familie fahren kann. Die Stimmung bessert sich, als seine Kollegen Möbel für seine leere Wohnung auftreiben. Allmählich lässt er sich auf die örtlichen Gewohnheiten ein. Er isst Pommes frites mit Frikandeln und hört sich das Carillon an, ein Glockenspiel, das Antoine im Belfried spielt. Ein Abendessen in Lille mit den Kollegen bricht das Eis endgültig, und Philippe übt sich in der Aussprache des Ch’ti. Beim Austragen der Briefe freundet er sich mit Antoine an und lernt die Kleinstadtbewohner als herzliche und gastfreundliche Menschen kennen. Alkoholisiert tragen die beiden ein Fahrradrennen aus, das auf dem Polizeiposten endet. Beim nächsten Wochenendbesuch betrachtet Julie Philippes Beteuerungen, im Norden sei es doch nicht so schlimm, als tapfere Lüge. Also bedient er sie flunkernd mit jenen Klischees, die sie hören will. Julie bewundert seinen Durchhaltewillen und gibt ihr ständiges Nörgeln auf. Philippe genießt nun sein „geteiltes Leben“: den Spaß mit den fröhlichen Kumpels im Norden, die mitleidsvoll treusorgende Gattin im Süden – seine Ehe scheint wieder im Lot.

Eines Tages beschließt Julie, ihrem Mann im Norden beizustehen. Als sie in Bergues ankommt, lassen ihn seine neuen Freunde trotz anfänglicher Verärgerung – Philippe hat gebeichtet, was er seiner Frau über sie erzählt hat – nicht hängen: Sie zerren die ankommende Julie in den alten Posttransporter zu einer ordinären Sauftour und laden die Südfranzösin in einer verfallenen Bergarbeitersiedlung aus, die sie als „Bergues“ ausgeben. Obwohl sie genau die Rabauken und Deppen spielen, für die sie von den Südfranzosen gehalten werden, durchschaut Julie am nächsten Morgen die Lüge und reist verärgert ab. Zuerst hilft Philippe Antoine, sich aus der Bevormundung durch seine Mutter zu lösen und Annabelle endlich einen Heiratsantrag zu machen – sie nimmt an. Dann fährt er in den Süden zu seiner Frau, um sie umzustimmen. Julie lässt sich erweichen, die Familie zieht gemeinsam in den Norden und wird dort heimisch. Nach über drei Jahren erhält Philippe eine erneute Versetzung auf einen Posten in Porquerolles an der Côte d’Azur. Es gibt einen tränenreichen Abschied gemäß dem Sprichwort, wer in den Norden ziehe, weine zweimal: einmal bei der Ankunft und einmal, wenn er wieder abfährt.


Die Produktion kostete 11 Millionen Euro.  Davon erhielt Dany Boon für seine Tätigkeit als Autor, Regisseur und Schauspieler den festen Betrag von 990.000 Euro. Hinzu kam eine nach oben unbegrenzte Beteiligung, die ab dem zweimillionsten Kinobesucher wirksam wurde und ihm für jeden Eintritt über diese Schwelle hinaus 0,30 Euro sicherte. Obendrein bekam er 9 % der Nettoeinnahmen, die nach der Amortisation des Films erzielt wurden.


Kad Merad: Philippe
Dany Boon: Antoine
Zoé Félix: Julie
Anne Marivin: Annabelle Deconninck
Line Renaud: Antoines Mutter
Guy Lecluyse: Yann (Kollege)
Philippe Duquesne: Fabrice (Kollege)
Stéphane Freiss: Jean
Michel Galabru: Julies Großonkel
Patrick Bosso: Gendarm
Zinedine Soualem: Momo



„Dany Boon Postier-coupé“ von Dany_Boon_Postier.JPG: Alain FLANDRINderivative work: Filoump (talk) - Dany_Boon_Postier.JPG. Lizenziert unter CC BY-SA 3.0 über Wikimedia Commons - https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Dany_Boon_Postier-coup%C3%A9.jpg#/media/File:Dany_Boon_Postier-coup%C3%A9.jpg

 „Kad-Le Petit Nicolas- Avant Première“ von nicolas genin - originally posted to Flickr as Le Petit Nicolas, Avant Première. Lizenziert unter CC BY-SA 2.0 über Wikimedia Commons - https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Kad-Le_Petit_Nicolas-_Avant_Premi%C3%A8re.jpg#/media/File:Kad-Le_Petit_Nicolas-_Avant_Premi%C3%A8re.jpg

 „Zoé Félix Cannes 2008“ von Georges Biard. Lizenziert unter CC BY-SA 3.0 über Wikimedia Commons - https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Zo%C3%A9_F%C3%A9lix_Cannes_2008.jpg#/media/File:Zo%C3%A9_F%C3%A9lix_Cannes_2008.jpg